Der Himmel im Juli 2026

Der Himmel im Juli 2026
BildDer Himmel im Juli 2026

Der Sternenpodcast Juli 2026

Ihr Audioguide für die Sterne. Ob zuhause mit der Sternkarte oder unterwegs unter freiem Himmel - wir führen Sie zu den interessantesten Sternbildern und Himmelsereignissen – jeden Monat neu und kostenlos.

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Dieser Podcast des Planetarium Hamburg wird Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt präsentiert - mit freundlicher Unterstützung unserer Audio-Partner Prime Time Studios und Audio Consulting Group.

Erde in Sonnenferne

Am 6. Juli ist die Erde besonders weit von der Sonne entfernt. Sie erreicht einen Abstand von 152,1 Millionen Kilometern. Damit befindet sie sich in Sonnenferne, ihrem Aphel. „Es wird schnell klar, dass der Abstand zur Sonne nicht ausschlaggebend für den Wechsel unserer Jahreszeiten ist. Schließlich hat auf der Nordhalbkugel am 21. Juni gerade erst der astronomische Sommer begonnen“, sagt Dr. Voss, Direktor des Planetarium Hamburg. „Welche Jahreszeit wir erleben, hängt mit der Schrägstellung der Erdachse zusammen. Das wird spätestens beim Blick auf die entgegengesetzten Jahreszeiten auf der Südhalbkugel deutlich. Die Hemisphäre, die stärker zur Sonne hingeneigt ist, befindet sich im wärmeren Sommerhalbjahr.“

Ganz ohne Auswirkungen ist die Sonnenferne aber nicht: Aktuell ist die Geschwindigkeit der Erde um etwa einen Kilometer pro Sekunde langsamer als zum Jahresanfang, als sich die Erde mit einer Distanz von rund 147,1 Millionen Kilometern in Sonnennähe, ihrem Perihel, befand. „Aus diesem Grund ist unser Sommerhalbjahr um eine Woche länger als das Winterhalbjahr“, erklärt Dr. Voss. „Außerdem braucht das Sonnenlicht im Juli 17 Sekunden länger bis zu uns als im kalten Januar – wer hätte das gedacht?“

Sommerliche Sternschnuppen

Im Juli erleben wir den Auftakt des nahenden Sternschnuppensommers. Vom 12. Juli bis zum 19. August entdecken wir vereinzelte Leuchtspuren der Delta-Aquariden. Sie werden auch Juli-Aquariden genannt. Ihren Höhepunkt erreichen sie am 30. Juli nach Mitternacht und damit einen Tag nach Vollmond. Erschwerend kommt hinzu, dass die Meteore dieses Sternschnuppenstroms eher unauffällig sind. Daher heben sie sich kaum vom aufgehellten Himmel ab. „Selbst im absoluten Idealfall würden wir maximal 25 kosmische Leuchtspuren in der Stunde sehen. Doch bereits ab dem 16. Juli gesellen sich die ersten Perseiden dazu“, freut sich Dr. Björn Voss. „Sie wecken unsere Vorfreude auf den August. Denn zu ihrem Maximum in der Nacht vom 12. auf den 13. August bescheren sie uns auf dem dunklen Land bis zu 100 schnelle Sternschnuppen in der Stunde. Ein wahres Sternschnuppenfeuerwerk! Wenn das Wetter mitspielt, sind die Bedingungen fantastisch, denn an diesem Tag ist außerdem Neumond.“

Mond und Planeten

Im Juli ist die Venus neben dem Mond der unangefochtene Blickfang am Abendhimmel. Während das Sichtbarkeitsfenster unseres Abendsterns etwas kleiner wird, nimmt die Helligkeit der Venus leicht zu. Am 17. Juli erhält sie in westlicher Richtung Besuch von der zunehmenden Mondsichel. Die beiden Himmelskörper stehen nah beieinander, was sehr hübsch anzusehen ist. „Am Morgenhimmel können wir uns auf die Rückkehr des roten Planeten Mars freuen“, sagt Dr. Voss. „Bei guten Sichtbedingungen entdecken wir ihn bereits zum Monatsanfang knapp über dem Nordosthorizont.“ Auch der Gasriese Saturn ist zunächst Planet der zweiten Nachthälfte, wo er auf seinen „Großen Bruder“ Jupiter wartet. Saturn geht immer früher auf und zeigt sich zum Monatsende bereits kurz vor Mitternacht.

Jahreszeiten am Sternenhimmel

Da die Erde während eines Jahres um die Sonne wandert, sehen wir jede Nacht einen etwas anderen Ausschnitt des Sternenhimmels. Die Sterne, die markant am Abendhimmel funkeln, werden der entsprechenden Jahreszeit zugeordnet. So ist das großflächige Frühlingsdreieck mittlerweile nicht mehr komplett am Firmament auszumachen. Denn während Spica in der Jungfrau und Arktur im Bärenhüter (Bootes) noch immer am Himmel stehen, ist Regulus im Löwen bereits untergegangen. Dafür prangt das markante Sommerdreieck auffällig am südöstlichen Firmament. Es besteht aus Wega, Altair und Deneb, den hellen Hauptsternen der Sternbilder Leier, Adler und Schwan. Letzterer ist das wohl schönste hiesige Sommersternbild und wird aufgrund seines Musters auch „Kreuz des Nordens“ genannt. Auf dem dunklen Land sehen wir es inmitten der Milchstraße.

Am 24. Juli wandert der zunehmende Halbmond an Antares im Skorpion vorbei. Das hübsche Sommersternbild ist ein Tipp für den Sommerurlaub im Mittelmeerraum. „Im Bereich der nördlichen Hemisphäre steht er tief in südlicher Richtung. Er steigt nie komplett über den Horizont und wir bekommen nur den vorderen Teil der Konstellation zu sehen“, erklärt Dr. Voss. „In südlicheren, mediterranen Breiten genießen wir hingegen den vollständigen Anblick des giftigen Wüstentiers – inklusive der malerisch gewundenen Sternenkette, die seinen langen Schwanz mit gefährlichem Stachel darstellt. Mit einem guten Fernrohr erkennen wir in seinem Umfeld außerdem kosmische Gasnebel und Sternhaufen, wie zum Beispiel den Kugelsternhaufen M4 nahe Antares. Denn von der Erde aus betrachtet befindet sich der Skorpion in Richtung des Zentrums der Milchstraße, wo diese Besonderheiten des Sternenhimmels vermehrt vorkommen.“

Am Morgenhimmel erhalten wir einen Ausblick auf den Herbst. „Besonders lohnt sich der Blick zum Himmel am 7. Juli gegen 2 Uhr in östlicher Richtung“, empfiehlt Dr. Voss. „Der Halbmond erstrahlt rechts von Saturn und über dem hübschen Duo funkelt das Herbstquadrat. Es besteht aus drei Sternen des geflügelten Himmelspferds Pegasus und einem Stern der Sternenkette Andromeda. Links der auffälligen Konstellation entdecken wir das Himmels-W der Kassiopeia und den stolzen Perseus.“

Sommerlicher „Heumond“

Zum Monatsende, am 29. Juli, leuchtet der große „Heumond“ an unserem Himmel. „Dank der sogenannten Mondtäuschung erscheint er uns besonders prächtig. Denn in den kurzen Sommernächten verläuft die Bahn des Mondes extrem flach und nah am Horizont“, erklärt Dr. Voss. „Obwohl seine physikalische Größe unverändert ist, erscheint er uns dort viel größer als hoch am Himmel. Denn unser Gehirn stuft den Horizont fälschlicherweise als weiter entfernt ein als den Zenit über unseren Köpfen. Ein tief stehender Vollmond wird dann ganz automatisch mit Bäumen oder Häusern verglichen und unbewusst als besonders imposant eingestuft.“

Seinen Namen „Heumond“ verdankt unser Trabant hingegen der anstehenden Heuernte. Denn bevor es moderne Kalender und Uhren gab, half der Vollmond den Menschen dabei, ein Gefühl für den Jahreslauf zu gewinnen. So lässt sich an den verschiedenen Bezeichnungen ablesen, was die Menschen in den entsprechenden Monaten bewegte.

Prächtiger Monatsabschluss: „Erdbeermond“

Typisch für die späten Frühlings- und Sommermonate steht der Vollmond in der Nacht auf den 30. Juni tief am Horizont. So wirkt er besonders prächtig und bietet uns einen wunderschönen Himmelsanblick zum Monatsende. „Wenn das Wetter mitspielt, wirkt ein tief stehender Vollmond beeindruckender als manch erdnaher ‚Supermond‘. Denn in Horizontnähe vergleicht ihn unser Gehirn automatisch mit Bäumen oder Gebäuden, was den Mond viel größer erscheinen lässt“, erklärt Dr. Voss. „Höher am Himmel fehlen diese Vergleichsmöglichkeiten.“ Indigene Völker Nordamerikas gaben dem Juni-Vollmond den wohlklingenden Namen „Erdbeermond“. Leider wurden sie nicht von einer besonderen Farbgebung zu dieser Bezeichnung inspiriert, sondern von der anstehenden Erdbeerernte. Denn als es noch keine modernen Uhren und Kalender gab, half der Mond den Menschen dabei, das Jahr und ihren Alltag zeitlich zu strukturieren. Seine verschiedenen Namen im Jahreslauf verraten uns mehr über ihre Umwelt, wichtige Traditionen und wiederkehrende Arbeiten.