Unsere Sonne sendet nicht nur ständig wärmendes Licht aus, sondern auch einen Strom elektrisch geladener Teilchen - den so genannten "Sonnenwind". Mit Windgeschwindigkeiten von einigen hundert Kilometern pro Sekunde bläst er vornehmlich aus den so genannten "koronalen Löchern" der heißen Sonnenatmosphäre ins All. Hinzu kommen die so genannten "koronalen Massenauswürfe" (CMEs=Coronal Mass Ejections), gigantische Sturmwolken aus bis zu 10 Millionen Tonnen elektrisch geladener Teilchen und Magnetfelder, die schon kurz nach ihrer Entstehung eine räumliche Ausdehnung haben, die ein Vielfaches der Sonne selbst beträgt. Bereits wenige Tage nach ihrer Entstehung ziehen solche solaren Sturmwolken wie ein Hurrikan über die 150 Millionen Kilometer entfernte Erde. Diese physikalischen Bedingungen auf der Sonne und im Sonnenwind zwischen Sonne und der Erde, die sich auf die Funktion von Raumsonden und technische Systeme bis hinunter auf die Erdoberfläche - ja sogar auf biologische Systeme auswirken können, werden unter dem aktuellen Begriff "Weltraumwetter" (Space Weather) zusammengefasst.
Tagesaktuelle Angaben zum Weltraumwetter finden Sie hier:
www.spaceweather.com
Extrem schnelle solare Massenauswürfe (CMEs mit mehr als 1500 km/s) lösen im Magnetfeld und in der Atmosphäre der Erde nicht nur die bekannten Polarlichter aus. Für Astronauten stellen besonders die bei der Entstehung dieser CMEs beschleunigten hochenergetischen Protonen eine lebensbedrohliche Gefahr dar, und auch Flugzeugpassagiere werden erheblichen Strahlungsbelastungen ausgesetzt. Die Erforschung des Weltraumwetters und der "CMEs" ist somit nicht nur für die Sonnen- und Astrophysik, sondern auch für die Weiterentwicklung neuer Technologien wie zum Beispiel des Satellitennavigationssystems Galileo bedeutend - die komplizierte Elektronik ist durch solche "Stromstöße" von der Sonne stark gefährdet.
Bereits in der Vergangenheit kam es bei starken Sonnenstürmen zum Totalausfall von Erdsatelliten, zu Störungen von Telekommunikationssystemen und zum Ausfälle von Stromnetzen mit weit reichenden "blackouts" in USA und Kanada.
Die genaue Entstehung solcher koronaler Massenauswürfe und ihre Ausbreitung im Weltraum ist Astrophysikern zurzeit noch ein großes Rätsel. Die NASA Mission STEREO wird unser Wissen darüber in den kommenden Jahren revolutionieren.
Mit den ersten Bildern hat die STEREO-Mission für die Wissenschaft gerade erst begonnen. Die vorauseilende Distanz von STEREO A und das allmähliche Zurückbleiben von STEREO B gegenüber unserer Erde beim Umlauf um die Sonne wird die Winkeldistanz der beiden "Stereo-Augen" in den kommenden Monaten weiter anwachsen lassen. In wenigen Monaten wird die Position der Sonden schließlich auch die dreidimensionale Abbildung riesiger, auf die Erde zielender Sonnenstürme erlauben und uns ein völlig neues Bild des Sonne-Erde-Systems vermitteln.
"Wir werden diese Sturmwolken des Weltraumwetters erstmals vom Entstehungsort auf der Sonne bis zur Einwirkung auf unsere Erde direkt verfolgen können", erläutert der Sonnenexperte und Projektleiter STEREO/Corona, Dr. Bothmer (Universität Göttingen) und ergänzt: "Die neue räumliche 3D-Sicht durch STEREO wird uns erlauben, exakt festzustellen wo die Front der koronalen Massenauswürfe (CME) sich gerade bewegt und welche Magnetfeldstruktur sie besitzt. So werden wir unsere Vorhersagen für das Eintreffen der Front bei der Erde in der Genauigkeit erheblich verbessern können - von einem Tag auf wenige Stunden - und auch die Auswirkungen der gefährlichen Sonnenstürme auf unsere Erde besser vorhersagen können."