Die Europäische Südsternwarte (ESO) hat Zuwachs erhalten – ein neues Mitglied und ein neues Teleskop. England ist der ESO beigetreten und hat als „Eintrittsgeld“ ein neues Teleskop mitgebracht – Vista. Vista steht für „Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy“, ein Fernrohr für die Durchmusterung des Himmels im sichtbaren und infraroten Licht. In der Atacama-Wüste kann man auch im nahen Infrarotlicht Beobachtungen anstellen. Mit einem speziellen Spiegel von 4,1 Meter Durchmesser kann zum einen viel Licht gesammelt werden, so dass eine hohe Empfindlichkeit erreicht wird. Zum anderen kann ein großes Gesichtsfeld, das 10 Vollmonde umfasst, überblickt werden. Der Qualitätssprung im Vergleich zu bisherigen Instrumenten entspricht etwa dem Fortschritt von der Astronomie mit dem bloßen Auge zu den ersten Fernrohrbeobachtungen von Galilei. Passend zum Jahr der Astronomie wird so ein Beobachtungsfenster ins All weiter geöffnet.
VISTA kostet etwa 55 Millionen Euro. Neben dem speziellen Spiegel, der mit Silber überzogen wird, um das Infrarotlicht besser zu reflektieren, trägt auch die drei Tonnen schwere Kamera zu den Kosten bei. 16 Detektoren umfassen insgesamt 67 Millionen Bildpunkte. Um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen, wird die Kamera auf -200 Grad Celsius gekühlt.
VISTA wird den Astronomen ab Anfang 2010 zur Verfügung stehen. Ein Hauptteil der Arbeit wird die systematische Durchmusterung des Südhimmels sein. In fünf Jahren sollen die ersten Übersichten gefertigt sein.
VISTA kann mit der Infrarotstrahlung durch Staubwolken hindurchsehen, z.B. ins Zentrum der Milchstraße oder in das Herz von Sternentstehungsgebieten. Ein Beispiel dafür liegt im Sternbild Orion. Der „Feuernebel“ beherbergt sehr junge Sterne, die man im sichtbaren Licht nicht sehen kann.
Auch kosmologische Fragen soll VISTA helfen zu beantworten, etwa nach der dunklen Materie und der dunklen Energie. Die ersten Bilder zeigen die Güte des Teleskopes und lassen spannende Ergebnisse erhoffen.