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Die astronomischen Deutungen der Himmelsscheibe

Erste Phase der Himmelsscheibe, Zeichnung: (C) Karol Schauer

Offensichtlich zeigt die Himmelsscheibe Sterne, eine Mondsichel, den Vollmond oder die Sonne und eine Sternengruppe, die Rosette, die als Plejaden, das Siebengestirn, gedeutet wird. Nach den Untersuchungen von Prof. W. Schlosser (Ruhruniversität Bochum) bilden die restlichen Sterne einen abstrakten Sternenhimmel, ohne konkrete Sternbilder darzustellen. Die Mondsichel mit den Plejaden und der Vollmond mit den Plejaden symbolisieren jeweils bestimmte Termine im Sonnenkalender.

Zeichen für einen Schaltmonat...

Diese Deutung wurde durch die Thesen von Hansen (Planetarium Hamburg) erweitert. Er vermutet, dass mit der Himmelsscheibe eine Verknüpfung von Mond- und Sonnenkalender mit Hilfe eines Schaltsymbols erfolgt. 1600 vor Christus war das uns bekannte Schaltjahr (alle 4 Jahre hat der Februar einen Tag mehr) nicht bekannt. Stattdessen nutzte man Schaltmonate.

Warum gibt es eigentlich den Schalttag bzw. den Schaltmonat? Die Erde benötigt um einmal die Sonne zu umkreisen 365,2422 Tage. Ein Jahr soll aber eine  ganze Anzahl von Tagen umfassen. Das sind bei uns im Normaljahr 365. Um an die wahre Jahreslänge besser heranzukommen, legen wir alle 4 Jahre - in einem Schaltjahr -  einen zusätzlichen Tag ein, den 29.Februar. Dieses Schaltjahr fällt übrigens in den 00 Jahren aus (also 2100 ist kein Schaltjahr) bis auf die 400er, da wird doch geschaltet, also z.B. 2000 und 2400. Wir richten uns im Kalender also nur nach der Sonne. Bei unserem Kalender hat der Monat mit dem Mond nichts (mehr) zu tun - das verdanken wir Caesar und seiner Kalenderreform.

In einem Mondkalender, wie im Islam, richtet man sich bei dem Monat nach dem Mond. Mit der ersten Sichel am Abendhimmel, dem sogenannten Neulicht, beginnt ein neuer Monat. Ein Mondmonat dauert im Schnitt 29,53 Tage. Nach 12 Monaten, das sind 354 Tage, ist ein Jahr vorüber. Ein Mondjahr ist also 11 Tage kürzer als das Sonnenjahr.

Darstellung der Länge von Mond- und Sonnenjahr

Früher hat man meistens die Kombination von Sonnen- und Mondkalender benutzt, den sogenannten Lunisolarkalender. Der Vorteil ist, besonders in einer Zeit ohne Computer, Handy und Taschenkalender, dass man nur zum Mond gucken muss, um zu wissen wo man im sich Monat befindet. Je dicker der Mond, desto weiter der Monat (bis Vollmond, dann geht es umgekehrt weiter). Jetzt zählt man die Monate bis 12, dann ist das Jahr um. Da das Mondjahr aber kürzer als das Sonnenjahr ist, verliert dieser Kalender jedes Jahr 11 Tage (wie der islamische Kalender zu unserem). Das Jahr "wandert" durch die Jahreszeiten. Um dies zu verhindern, schaltete man, jetzt aber keine Tage, sondern Monate ein. In frühen Zeiten erfolgte diese Schaltung, wenn der Kalender zu weit aus dem Takt war. Die Schaltregel mit der dicken Mondsichel bei den Plejaden war damals ein schönes Schaltsignal. Es wurde also nicht nach einer festen numerischen Regel geschaltet (das tat man dann später), sondern nach "Sicht". 

Die Himmelsscheibe zeigt eine Darstellung des Mondes bei den Plejaden (Siebengestirn). Der Mond steht im Frühjahr bei Neulicht als sehr schmale Sichel bei den Plejaden (Eine Sternengruppe oberhalb des V-förmigen Stierkopfes, die uns in der Form wie ein 'Kleiner Wagen' am Himmel erscheint). Durch die Differenz von Sonnen- und Mondjahr wird bei Zählung der Monate die Sichel im Laufe der Jahre im März bei den Plejaden immer dicker. Auf der Scheibe findet sich eine Darstellung dieser 'zu dicken' Mondsichel bei den Plejaden. Dies ist ein Zeichen, dass einen Monat hinzuzufügen ist. Dieses war damals der Februar, der verdoppelt wurde (dies wissen wir aus Mesopotamien, dem heutigen Irak - wann bei uns geschaltet wurde ist unbekannt). Statt, wie wir es gewohnt sind, in vier Jahren einen Schalttag einzufügen, wurde so ca. alle drei Jahre ein ganzer Schaltmonat eingefügt.

Die Plejaden oder auch Siebengestirn genannt.

Die zweite Verschlüsselung

Ein zweites Schaltsignal ist auf der Himmelsscheibe verschlüsselt, und zwar in Form der 32 Sterne. Diese kann man auch als Anzahl der Tage deuten, die seit dem Beginn des 12.Monats vergangen sind. Wie jeder Monat beginnt auch der 12. mit einer schmalen Neulichtsichel. Nach 29 oder 30 Tagen würde man wieder eine Neulichtsichel erwarten. Diese sollte, im Normalfall, bei den Plejaden stehen. Dann ist das Jahr im Takt und in diesem 1. Monat des neuen Jahres fällt der Frühlingsanfang (entspricht unserem März). Steht aber diese Neulichtsichel noch nicht bei den Plejaden, muss man beobachten, wann der Mond die Plejaden erreicht. Verstreichen seit dem Neulicht des 12.Monats bis zu diesem Treffen Mond - Plejaden 32 Tage, dann ist die Mondsichel wieder zu dick und es muss geschaltet werden. Statt der Dicke der Mondsichel kann man auch die Tage seit dem Vormonat zählen. Sind dies 32 (oder mehr), dann ist dies ein alternatives Schaltsignal.

Die Schaltregel ist ein zweites Mal über die Anzahl der Sterne auf der Scheibe verschlüsselt. 32 Tage vergehen seit dem Neulicht des vorhergehenden Monats bis zum Treffen von Mond und Plejaden in dem vermuteten Frühlingsmonat.

Erwartungshaltung

Weiterhin enthält die Himmelsscheibe eine Erwartung für die Rhythmik der Schaltung. Es lässt sich leicht feststellen, dass ein (Mond)Monat mal 29 und mal 30 Tage lang ist. Als mittlere Monatslänge kann man so leicht auf 29,5 Tage kommen. Die Jahreslänge kann man ebenfalls recht leicht zu 365 Tage bestimmen. Diese Werte genauer zu erhalten erfordert schon einigen Aufwand. Geht man von diesen Genauigkeiten aus, dann sind 32 Sonnenjahre zu 365 Tagen 11680 Tage. 33 Mondjahre entsprechen 33 mal 12 mal 29,5 Tagen = 11682 Tage. Schaltet man in 32 Sonnenjahren also 12 Monate ein, dann erhält man 32 Mondjahre plus die 12 Schaltmonate, die ein weiteres Mondjahr ausmachen, also 33 Mondjahre. Diese Erwartung findet man auf der Himmelsscheibe: Beziehen wir die 32 Punkte auf die Sonne, kann man dies als 32 Sonnenjahre interpretieren. Es bleibt auf der Urscheibe nur noch die Mondsichel über. Beziehen wir die 32 Punkte plus die Sonne auf den Mond, kann man dies als 33 Mondjahre interpretieren.

Diese Erwartungshaltung kann durch die nach der Regel eingefügte Anzahl der Schaltmonate überprüft werden. Schaltet man in 32 Sonnenjahren nur 11 mal und wiederholt sich dies in den nächsten Zyklen erneut, dann wird man eine verbesserte Erwartungshaltung formulieren können. Auf diese Weise kann man nicht nur einen lunisolaren Kalender führen, sondern darüber hinaus ihn in der Zukunft verbessern.

Der Meister, der die Scheibe entwarf, verfügte über ein profundes Wissen über die kosmischen Harmonien und schuf ein Werk, das nicht nur die Zeit regelte sondern auch in die Zukunft gerichtet war.

Der Meister der Scheibe erwartete, dass in 32 Sonnenjahren 12 Schaltmonate eingelegt werden müssen. In 32 Sonnenjahren vergehen (angenährt) 33 Mondjahre.

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