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Der Sternenhimmel im Oktober 2016

Die Herbstparade der fernen Planeten

Die Nacht bricht nun immer früher an, und dazu trägt zum Monatsende auch das Ende der Sommerzeit bei. Die Stunde, die wir Ende März übersprungen haben, bekommen wir am 30. Oktober wieder zurück, und unsere Uhren richten sich danach wieder nach dem 15 .östlichen Längengrad der „Mitteleuropäischen Zeitzone“.

Der zunehmende Mond taucht zunächst nur zögerlich am Abendhimmel auf, denn er bewegt sich nach dem Neumond am 1. Oktober in den südlichsten Teil des Tierkreises. Dennoch hilft er uns beim Auffinden der Planeten. In der Abenddämmerung des 3. Oktober prangt der junge Sichelmond etwa viereinhalb Grad nördlich des Planeten Venus. Die helle Venus schafft es nur mit Mühe, sich als heller „Abendstern“ zu behaupten - sie schafft es nur für kurze Zeit, in der Abenddämmerung tief im Südwesten zu sehen, und geht bereits weniger als eine Stunde nach der Sonne unter. Ein Stück weit links von Venus gelingt es erfahrenen Beobachtern vielleicht, noch den Planeten Saturn in der Abenddämmerung zu finden - vom 5. bis 6. Oktober zieht der zunehmende Mond an ihm vorbei, bevor Saturn für die kommenden Monate im Glanz rund um die Sonne verschwindet. Die nächste Station des Mondes ist Mars. Am 8. Oktober wandert der Halbmond im Sternbild Schütze an dem roten Planeten vorbei. Mars hält sich noch tapfer für ein bis zwei Stunden am Abendhimmel, bevor auch er kurz nach 22 Uhr Sommerzeit unter den Südwesthorizont sinkt.

Fast senkrecht über unseren Köpfen steht die Zickzacklinie des „Himmels-W“, das von den hellsten Sternen der Kassiopeia gebildet wird. Dieses Sternbild ist genauso wie der Große Wagen „zirkumpolar“ und damit ganzjährig in jeder klaren Nacht zu sehen. Die mittlere Spitze des „W“ deutet in etwa auf den Polarstern, den „Nordstern“. Darunter, tief am Nordhorizont, finden wir jetzt die sieben Sterne des „Großen Wagen“.

Auch am Sternenhimmel ist der Herbst eine Zeit des Übergangs:  Die hellen Sterne rund um die sommerliche Milchstraße stehen nur noch zu Beginn der Nacht hoch am Himmel und haben sich spätabends bereits nach Südwesten verlagert - während sich im Osten die ersten hellen Sterne des Winters ankündigen.

Das auffällige „Sommerdreieck“ mit den Sternen Wega (im Sternbild Leier), Deneb (im Schwan) und Atair (im Adler) ist bereits nach Südwesten gerückt. Durch das Sommerdreieck zieht das Lichtband der Milchstraße hoch über unsere Köpfe - hinauf zum Himmels-W und weiter zum Osthorizont. Dort funkelt der helle Stern Capella im Fuhrmann - ein typisches Wintersterbild.  Etwas tiefer der rötliche Hauptstern Aldebaran im Stier.  Schon mit bloßem Auge erkennen wir auch rund um Aldebaran den V-förmigen Sternhaufen der Hyaden und die dichtere, wie eine Mini-Ausgabe des Großen Wagens geformte Sternengruppe der Plejaden - das „Siebengestirn“.

Sterne sind riesige, glühend heiße Gaskugeln - ferne Sonnen, die jedoch millionenfach weiter von uns entfernt sind. Während das Licht der Sonne nur achteindrittel Minuten zu uns unterwegs ist, benötigt das Licht des rötlichen Sterns Aldebaran 65 Jahre zu uns und von den Plejadensternen bereits mehr als 440 Jahre…

Es sind prächtige Sterne und Sternhaufen, die jetzt spätabends im Osten wie auch im Westen längs der Milchstraße am Himmel funkeln. Dazwischen, im Süden, weitab der Milchstraße, wird uns jedoch eine recht unscheinbare Sternregion angeboten. Nur ganz tief im Süden funkelt im Horizontdunst der Stern „Fomalhaut“ - hellster Stern im Sternbild Südlicher Fisch. Ringsherum tummeln sich weitere Geschöpfe aus dem wässrigen Element – die südliche Himmelsregion wird jetzt von einer Art „himmlischem Aquarium“ ausgefüllt. Links neben Atair, über dem Steinbock, die auffällige, jedoch kleine Sternfigur des Delfins und weiter östlich am Horizont die beiden ausgedehnten, aber aus lichtschwachen Sternen bestehenden Sternbilder Wassermann und Fische sowie südlich davon der Walfisch. Und damit nicht genug - aus den Fluten dieses „Sternenmeeres“ springt auch noch das geflügelte Pferd Pegasus himmelwärts. Pegasus stellt der griechischen Sage nach ein weißgeflügeltes Pferd dar, das gen Himmel galoppiert und den Dichtern zu ihren Gedankenflügen verhilft. Die drei hellsten Sterne dieses Sternbildes gehören zum „Herbstviereck“, einem auffälligen und leicht zu merkenden Muster am Herbsthimmel. Spätbends ist es halbhoch im Süden platziert ist und driftet im Laufe der Nacht nach Westen. Der vierte, nordöstlichste Stern im Herbstviereck, ist „Alpha“ im Sternbild Andromeda.

Dieses Herbstviereck hilft uns auch, das erwähnte Tierkreissternbild Fische zu finden, das sich unterhalb erstreckt. Keiner der mit bloßem Auge sichtbaren Planeten ist in diesem sternarmen Bereich des Tierkreises zu finden - zum Ausgleich wird uns aber dort eine wahre Parade ferner Planeten geboten, die jedoch zumeist nur mit dem Fernglas oder Fernrohr zu sehen sind: In den Fischen gelangt Uranus zu seiner Bestform des Jahres - er steht die ganze Nacht am Himmel, da er am 15. Oktober der Sonne am Himmel genau gegenüber - in „Opposition“ - steht, während wir ihn mit unserer schnelleren Erde überholen. Da Uranus jetzt über 2800 Millionen km von uns entfernt ist (etwa doppelt so weit wie Saturn), erscheint er uns nur als schwaches Sternchen, das nur unter allerbesten Bedingungen mit freiem Auge zu erkennen ist. Mit einem Fernglas und einer genauen Aufsuchkarte kann man ihn östlich des Sterns Zeta in den Fischen entdecken.

Neptun, im Sternbild Wassermann, gelangte bereits im September in „Opposition“ zur Sonne und ist ein noch lichtschwächeres „Pünktchen“. Er zieht über vier Milliarden Kilometer - fast 30 mal weiter als unsere Erde von der Sonne entfernt - seine Bahn und ist mit bloßem Auge nicht zu sehen. Seit 10 Jahren gilt er als der fernste Planet unseres  Sonnensystems, denn Pluto wurde seitdem zum „Zwergplaneten“ degradiert.

Der winzige Pluto komplettiert die herbstliche Parade der fernen Welten. Pluto ist jedoch nur mit großen Fernrohren zu sehen - aber zumindest die Blickrichtung zu Pluto können wir  abends leicht finden, denn der steht nur wenig nördlich von Mars im Sternbild Schütze.

Hilfestellung bietet auch der Lauf des zunehmenden Mondes: Am 8. Oktober leuchtet er neben Pluto und Mars, am 12. rechts neben Neptun und in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober zieht der Vollmond im Sternbild Fische südlich von Uranus vorbei und leuchtet die ganze Nacht am Himmel.

Ab 2 Uhr morgens wird der Himmelsanblick spektakulärer: Das prächtige Wintersternbild Orion mit seinen markanten 3 Gürtelsternen ist im Südosten vollständig aufgetaucht, gefolgt von Prokyon, dem Hauptstern im Kleinen Hund, der über der Ostrichtung funkelt. Er kündigt das Erscheinen des Großen Hundsterns Sirius an, der ab 3 Uhr morgens in der Verlängerung der drei Gürtelsterne auftaucht.

Bei Beginn der Morgendämmerung lohnt es sich, Ausschau nach Osten zu halten. Zu Monatsbeginn zeigt sich dort noch der sonnennahe Planet Merkur, der danach vom Riesenplaneten Jupiter abgelöst wird. Am Monatsende leuchtet Jupiter bereits wieder auffällig hell in der Morgendämmerung im Osten. Er bewegt sich im Sternbild Jungfrau, dessen Sterne sich noch nicht gegen die Morgendämmerung durchsetzen können.

 

Die Sternkarte zeigt den Anblick des Himmelsgewölbes über Hamburg für 23 Uhr Anfang Oktober MESZ, Mitte Oktober 22 Uhr MESZ und Ende Oktober 21 Uhr MESZ. Die Karte ist so zu halten, dass die Himmelsrichtung, in die man schaut, auf der Karte unten ist.

Diese Monatssternkarte ist auch erhältlich im Planetarium Hamburg oder kann im Internet zusammen mit dem dazu gehörenden Sternen-Podcast herunter geladen werden unter http://www.abendblatt.de/sterne