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Der Sternenhimmel im Juni 2016

Vollmond und Saturn leuchten zu Sommerbeginn

Willkommen zum Gipfelsturm der Sonne! In keinem anderen Monat steigt die Sonne mittags höher und bleibt länger am Himmel. Am 21. Juni, exakt um 0 Uhr 34 MESZ, erreicht die Sonne im Sternbild Stier ihre nördlichste Position im Tierkreis  und für die Nordhalbkugel unserer Erde beginnt der Sommer. Im grellen Sonnenlicht versteckt sich Venus, die am 6. Juni  sogar genau hinter der Sonne steht. Erst im August wird sie wieder als heller „Abendstern͞" sichtbar sein. Auch Merkur schafft es in unseren Breitengraden nicht aus dem Glanz der Sonne herauszukommen. Unsichtbar ziehen Venus und Merkur im Juni mit der Sonne über den Taghimmel und sinken spätabends mit ihr unter den Nordwesthorizont.
Während es im Juni in Süddeutschland nach Sonnenuntergang noch dunkel wird, so  verdient die „Nacht“ in Norddeutschland diese Bezeichnung eigentlich kaum. Selbst um Mitternacht kann man noch einen leichten Dämmerschein am Nordhorizont bemerken. Es gibt hier zwar keine “Mitternachtssonne” – aber immerhin eine “Mitternachtsdämmerung”, die nahtlos in die Morgendämmerung übergeht. Ein Blick zu lichtschwächeren Sternen ist kaum möglich, doch immerhin verbleiben uns die hellsten Sterne und vor allem drei Planeten, die sich in den hellen Juninächten behaupten können: Saturn, Mars und Jupiter.
Dem Riesenplaneten Jupiter gelingt es, sich als Erster in der Abenddämmerung bemerkbar zu machen. Gegen 22 Uhr leuchtet er halbhoch im Westen, und am 11. Juni leistet ihm dabei der Halbmond Gesellschaft. Abend für Abend wird der Mond rundlicher und rückt von Jupiter weiter zu  Mars, den er am 16. Jni erreicht. Der rötliche Mars taucht kurz nach Jupiter in südlicher Richtung auf. Da er am 30. Mai in Erdnähe stand, ist er zu Monatsbeginn noch ebenso hell wie Jupiter - was seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr der Fall war. Obschon Mars im Lauf des Monats bereits etwas lichtschwächer wird, sind Mars und Jupiter weiterhin die hellsten Lichtpunkte am Himmel. Während unsere schnellere Erde im Juni davoneilt, bleibt Mars zurück und ist bis 30. Juni rückläufig im Sternbild Waage unterwegs.
Der eigentliche „Star“ der Juni-Nächte ist unscheinbarer, aber leicht zu finden – der prächtige Ringplanet Saturn, der weniger als eine Handspanne „links“ von Mars leuchtet. Saturn hat jetzt die beste Zeit des Jahres, denn er steht zu Beginn des Monats in Opposition zur Sonne. Wir erreichen dabei die geringste Entfernung zu  Saturn in diesem Jahr. Dennoch sind es 1348 Millionen Kilometer, die uns von ihm trennen, was dem 9-fachen Abstand unserer Erde von der Sonne entspricht. Sein  grandioses Ringsystem kann bereits ab etwa 30-facher Vergrößerung mit einem Fernrohr gesichtet werden. Die Ringe erscheinen uns dabei nahezu maximal weit geöffnet. Sie bestehen aus unzähligen eisigen Brocken und Bröseln, die den Saturn in wenigen Stunden umkreisen und dabei gemeinsam sogar doppelt so viel Sonnenlicht reflektieren wie die wolkenverhangene Kugel des Riesenplaneten. Dieses Licht benötigt eine Stunde und 15 Minuten von Saturn zu unserer Erde.
Der ferne Planet hat nicht nur einen Mond wie unsere Erde - es wurden bisher mehr als 60 Monde um Saturn entdeckt. Da wir mit unserer Erde gerade den Saturn überholen, scheint sich Saturn in diesem Monat ganz langsam rückläufig, also westwärts durch den Schlangenträger Richtung Skorpion zu bewegen.  Der Schlangenträger nimmt ein beachtliches Gebiet des Himmels ein und ist um Mitternacht halbhoch im Süden zu sehen. Es sind jedoch keine besonders auffälligen Sterne zu erkennen und so zählt er nicht gerade zu den populärsten Sternbildern. Dennoch ist der Schlangenträger bedeutsam und wird auch als „13. Tierkreissternbild“ bezeichnet. Denn nicht nur Saturn, sondern auch alle anderen Planeten sowie Sonne und Mond wandern von der Erde aus gesehen durch die südlichsten Teile des Schlangenträgers. So zieht am 18./19. Juni der Mond durch dieses Sternbild und begegnet dem Saturn.
Allerdings hat die Nacht  vom 20. auf den 21. Juni noch mehr zu bieten. Sie ist die Nacht des Sommers und die Nacht des Mondes, denn in dieser Nacht beginnt nicht nur der Sommer -  sie ist außerdem die Vollmondnacht! Sonne und Mond stehen sich am 20. Juni genau gegenüber: Während die Sonne im Nordwesten untergeht, geht genau auf der anderen Seite des Horizonts, im Südosten, das helle, runde Mondgesicht im südlichsten Tierkreissternbild Schütze auf. Es ist die kürzeste und "niedrigste" Vollmondnacht des Jahres, die den längsten Tag des Jahres einläutet!  Damit nicht genug: Nur wenige Minuten vor Sommerbeginn wird uns noch ein wahres Gipfeltreffen am Himmel geboten: Wie eine Perlenkette zieht sich entlang der Tierkreissternbilder eine Anordnung heller Lichter, vom Vollmond ausgehend nach rechts, nach Westen - alle in nahezu gleicher Höhe stehend: Rechts neben dem Mond leuchtet Saturn, dann doppelt so weit entfernt der hellere Mars, gefolgt vom funkelnden Stern Spica in der Jungfrau - und  dem Planeten Jupiter,  der noch weiter rechts, im Westen,  leuchtet. Diese „Perlenkette“ markiert die Ebene des Tierkreises, in der sich die wichtigsten Mitglieder unseres Sonnensystems in stets wechselnder Anordnung rund um unsere Sonne  bewegen.
Suchen wir noch einige auffällige Sterne in der hellen Juninacht. Leicht zu finden ist der "Große Wagen" - hoch über dem Südwesthorizont fährt er seine tägliche Runde um den Polarstern. Seine 7 Sterne sind die hellsten Sterne im Sternbild Großer Bär. Verlängern wir den Bogen der Wagendeichsel, so führt er uns im Südwesten zu  dem hellen, rötlichen Stern Arktur und weiter zu Spica in der Jungfrau. Im Osten zeigt sich bereits standesgemäß das „Sommerdreieck“. Es wird von den hellen Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und  Atair im Adler geformt. Dieses markante Sternendreieck erreicht gegen 3 Uhr morgens zusammen mit den prächtigen Partien der sommerlichen Milchstraße die Südrichtung.  Doch leider sind die Juni-Nächte kurz, und schnell vertreibt die Morgendämmerung die Sterne von der Himmelsbühne, bevor die Sommersonne im Nordosten aufgeht und wieder ihre Hitze verbreitet.

Klare Sicht wünscht Ihnen Ihr Thomas Kraupe

Die Sternkarte zeigt den Anblick des Himmelsgewölbes über Hamburg für 0 Uhr Anfang Juni MESZ, Mitte Juni 23 Uhr MESZ und Ende Juni 22 Uhr MESZ. Die Karte ist so zu halten, dass die Himmelsrichtung, in die man schaut, auf der Karte unten ist.

Diese Monatssternkarte ist auch erhältlich im Planetarium Hamburg oder kann im Internet zusammen mit dem dazu gehörenden Sternen-Podcast herunter geladen werden unter http://www.abendblatt.de/sterne