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Der Sternenhimmel im Juni 2013

Supermond und Planeten in heller Sommernacht

Der Sommer steht vor der Tür! Am Morgen des 21.Juni – exakt um  7 Uhr 04 Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) beginnt diese ersehnte Jahreszeit – allerdings nur auf der Nordhalbkugel unseres Planeten - denn auf der Südhalbkugel fängt zeitgleich der Winter an. Die Sonne passiert den „Wendekreis des Krebses“ – allerdings nicht Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Stier. Nur wenige Stunden später wechselt sie dann ins Tierkreissternbild Zwillinge. Am 21.Juni ist die größte Mittagshöhe der Sonne, der längste Tag des Jahres erreicht - und die kürzeste Nacht, wenn man überhaupt von „Nacht“ sprechen kann, denn selbst um Mitternacht herrscht in Norddeutschland noch die Dämmerung. In den nördlichsten Gebieten Europas, im Norden Norwegens, steht die Sonne schon seit Mitte Mai sogar rund um die Uhr am Himmel - eine „Nacht“ gibt es dort nicht: Am Nordkap, in 71 Grad nördlicher Breite, steht jetzt die Sonne selbst um Mitternacht  - als “Mitternachtssonne” – noch drei Grad über dem Nordhorizont.

Rund um die Sommersonnwende sind die Nächte bei uns außerdem noch durch Mondlicht erhellt. Am 23. Juni um 13:32 Uhr MESZ ist Vollmond - nur zwanzig Minuten nachdem der Mond im „Perigäum“ den erdnächsten Punkt seiner kreisnahen Ellipsenbahn durchwandert hat. Dieser Juni-Vollmond ist daher der größte - weil nächstgelegenste - Vollmond des Jahres. Unser Erdtrabant ist dabei „nur“ 356.991 Kilometer von uns entfernt und somit uns 1.400 km näher als der Vollmond im Monat davor!  Mit bloßem Auge kann man den Unterschied eigentlich kaum erkennen – dennoch nennen manche diesen erdnächsten Vollmond des Jahres auch „Supermond“ oder „Megamond“. Groß erscheint uns der Vollmond aber eigentlich nur aufgrund einer Sinnestäuschung, die nahe dem Horizont auftritt: Dort wirken Sonne und Mond immer besonders groß – eine Illusion, die uns unser Gehirn vorgaukelt, sobald wir den direkten Vergleich mit Häusern, Bäumen und anderen fernen Objekten am Horizont anstellen können. Im südlichsten Tierkreissternbild Schütze ist der Juni-Vollmond  die ganze Nacht recht niedrig am Himmel und „kriecht“ förmlich vom Südost- zum Südwesthorizont. Dies ist also nicht nur der größte, sondern auch der tiefste Vollmond und die kürzeste Vollmondnacht des Jahres. Man sollte das Ereignis  genießen – der nachts zwischen Bäumen und Häusern durchschimmernde Mondschein ist ein besonderes Erlebnis, zumindest für alle Romantiker und Genießer – und eben kein Anlass zur Sorge, denn die Gezeitenkräfte die der Mond dabei auf unsere Erde ausübt sind nur geringfügig größer - es kommt nur zu einer leichten Verstärkung der Tiden.
Am 8.Juni, zwei Wochen vor Vollmond, steht der Neumond im gegenüberliegenden „Apogäum“, dem erdfernsten Punkt der Mondbahn. Vom 9. bis 22. Juni haben wir zunehmenden Mond, der sich abends zeigt und in der ersten und letzten Monatswoche ist der Mond abnehmend und leuchtet vor allem in der zweiten Nachthälfte.

Bereits in der hellen Abenddämmerung, etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang zeigt sich der helle „Abendstern“, unser Nachbarplanet Venus. Ganz allmählich gewinnt sie etwas an Sichtbarkeit. Gleich links oberhalb der Venus zeigt sich in der ersten Monatshälfte der Merkur. Dieser sonnennächste Planet hat jetzt seinen besten Auftritt am Abendhimmel in diesem Jahr, bei der er um den 10. seine größte Höhe am Abendhimmel in 2013 erreicht. Dennoch ist dies wenig spektakulär wenn man nicht genau weiß wo man ihn finden kann: Nur 6 Grad „links über Venus“ steht Merkur am 10.Juni in seiner größten östlichen Elongation zur Sonne – mit 24 Grad Winkelabstand zu unserem Tagesgestirn. Merkur schafft es damit nicht aus dem hellen Lichtreich der Sonne herauszutreten und ist nur für geübte Beobachter gut zu finden, da er nur rund hundertmal schwächer als Venus leuchtet. Dennoch ist dies unsere beste Chance den sonnennächsten Planeten in diesem Jahr abends zu sehen – am besten mit einem Fernglas und mit Hilfe der benachbarten Venus.
Bereits untergetaucht im hellen Dämmerlicht rund um die Sonne ist Jupiter. Am 19.Juni steht der Planet von unserer Erde aus gesehen weit hinter der Sonne in Konjunktion. Erst wieder ab August wird er wieder am Morgenhimmel auftauchen. Auch Mars kann sich bis Ende Juni noch nicht weit genug am Morgenhimmel von der Sonne absetzen und bleibt unbeobachtbar.

Sobald es etwas dunkler geworden ist, können wir hoch über unseren Köpfen unseren „Wegweiser“ am Himmel ausmachen – die 7 Sterne des „Großen Wagen“. Verlängern wir den Bogen der Wagendeichsel, so führt er uns zunächst hoch im Süden zu  dem hellen, rötlichen Stern Arktur – und weiter nach Süden zum Planeten Saturn und zu Spica in der Jungfrau. Spica funkelt bläulich-weiß – Saturn erscheint in ruhigem gelb-orangen Licht. Die beiden Gestirne sind jetzt im Juni überhaupt nicht zu übersehen – halbhoch im Süden dominieren sie den Himmel bei Anbruch der Nacht. Am 18./19.Juni bekommt das Duo Besuch vom zunehmenden Mond, der südlich an Spica und Saturn vorbeizieht.
Auch Saturn wird von Monden umkreist - mehr als 60 wurden bisher entdeckt und 7 sind davon hell genug, um auch in Amateurfernrohren gesehen zu werden – allen voran der Riesenmond Titan, der alle 16 Tage einmal um den fernen Ringplaneten kreist und als kleines, umlaufendes „Sternchen“ verfolgt werden kann.
Gleich „links von Saturn“ beginnt das Sternbild Waage – ein zugegeben recht unscheinbares Sternbild, das nur aus recht lichtschwachen Sternen besteht. Vor über zweitausend Jahren stand die Sonne zu Herbstbeginn am 23.September vor dieser Himmelsregion, weshalb man den Herbstpunkt auch heute noch „Waagepunkt“ nennt.  In unserer Zeit wandert die Sonne vom 31.Oktober bis 23.November von der umlaufenden Erde aus gesehen durch dieses Tierkreissternbild. In der Antike wurden dessen Sterne noch zum Skorpion gerechnet, den wir östlich (links) neben der Waage am Südhorizont mit seinen hellsten Sternen funkeln sehen. Über Skorpion und Waage erstreckt sich der ausgedehnte Schlangenträger  (lateinisch „Ophiuchus“) und noch höher funkeln die Sterne des Herkules.
Standesgemäß zeigt sich auch das Sommerdreieck die ganze Nacht hoch am Himmel - mit den Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler. gegen 3 Uhr morgens erreicht dieses markante Sternendreieck zusammen mit den prächtigen Partien der sommerlichen Milchstraße die Südrichtung.

Klare Sicht wünscht Ihnen Ihr 
Thomas Kraupe

Die Sternkarte zeigt den Anblick des Himmelsgewölbes über Hamburg für Anfang Juni  Mitternacht und  Mitte Juni 23 Uhr MEZ  und Ende Juni 22 Uhr MESZ. Die Karte ist so zu halten, dass die Himmelsrichtung, in die man schaut, auf der Karte unten ist.

Diese Monatssternkarte ist auch erhältlich im Planetarium Hamburg oder kann im Internet zusammen mit dem dazu gehörenden Sternen-Podcast herunter geladen werden unter http://www.abendblatt.de/sterne