Sitemap · Newsletter · Kontakt · Impressum
Home  Sterne & Mehr  Der Sternenhimmel im September

Der Sternenhimmel im September 2010

König Jupiter regiert die Septembernächte

Die heißesten Tage des Jahres liegen hinter uns und die Nacht bricht nun immer früher herein – gute Startbedingungen für unsere abendliche Sternenschau!
 
Der helle „Abendstern“ – die Venus, die wir in den vergangenen Monaten nach Sonnenuntergang immer gesehen haben ist verschwunden. Obwohl sie am 23.September ihre größten Glanz erreicht hat sie jetzt große Schwierigkeiten, sich bei uns am Himmel durchzusetzen, denn Venus befindet sich als „Abendstern“ in dieser Jahreszeit viel südlicher als die Sonne – sie wandert der Sonne voraus im Tierkreis - von der Jungfrau in die Waage.
Diesmal sind also die Bewohner der Südhalbkugel bevorzugte Zeugen ihrer Abendsichtbarkeit. Dort ragt dieser Abschnitt des Tierkreises jetzt steil am Westhorizont auf und Venus bleibt noch mehrere Stunden als strahlend helles Gestirn am Abendhimmel – während sie in unseren hohen nördlichen Breiten bereits wenige Minuten nach Sonnenuntergang unter den Südwesthorizont abtaucht.

Auch die Planeten Mars und Saturn sind im Glanz der Sonne verschwunden und in diesem Monat unbeobachtbar...
Doch es gibt Ersatz: Jupiter – den „Star“ des Herbsthimmels. Er  ist die ganze Nacht zu sehen, denn er steht der Sonne in diesem Monat am Himmel genau gegenüber – am 21.9. in Opposition - doch es ist es keine normale Opposition, denn Jupiter erreicht im kommenden März den sonnennächsten Punkt in seiner knapp 12-jährigen Umlaufbahn um die Sonne. Daher kommen sich Erde und Jupiter sich diesmal näher als sonst und Jupiter erscheint uns so hell wie noch nie in den vergangenen 50 Jahren! Bei Sonnenuntergang geht der in einem ruhigen Licht strahlende Planet im Osten auf - erreicht in der Mitte der Nacht seine größte Höhe im Süden und geht bei Sonnenaufgang im Westen unter.
Nehmen Sie ein Fernglas zur Hand und richten Sie es auf Jupiter! Sie erkennen rechts und links von ihm bis zu 4 kleine „Sternchen“ – es sind die 4 großen Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Callisto, die schon Galilei vor 400 Jahren mit dem Fernrohr verfolgte. Man glaubt es kaum – aber diese Pünktchen sind etwa so groß wie unser Erdmond. Jupiter, den sie innerhalb von wenigen Tagen umkreisen, ist sogar 12 mal größer wie unsere Erde: er ist der größte und massereichste  Planet in unserem Sonnensystem!
Unser Erdmond zieht am 23.September als Vollmond an Jupiter im Sternbild der Fische vorbei – die Welt des Jupiters mit seinen Monden ist mit knapp 592 Mio km immerhin anderthalbtausend Mal weiter entfernt wie unser Mond. Kein Wunder, dass wir ein Fernglas benötigen um sie zu sehen.

Da Jupiter ein riesiger „Gasplanet“ ist, können wir seine Wolkenbänder und Sturmgebiete schon im kleinen Fernrohr erkennen.
Und es kommt noch besser, denn Jupiter ist nicht der einzige „Gasgigant“ am Septemberhimmel! Der noch fernere Planet ist nur ein Grad nördlich von Jupiter zu finden. Der blaugrün leuchtende Uranus erreicht nur 5 Stunden nach Jupiter seine Oppositionsstellung! Unter besten Bedingungen kann man übrigens Uranus schon mit bloßem Auge als „Sternchen“ 5.7ter Größenklasse knapp über Jupiter sehen!
Uranus zieht weit jenseits von Jupiter – ja sogar fast doppelt so weit wie Saturn als 7.Planet in fast 84 Jahren einmal um die Sonne. Er wird am 21.September gleichzeitig von Jupiter und Erde überholt. Erst im Jahre 1781 wurde diese ferne dunkle Welt per Zufall von dem Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel mit dem Fernrohr entdeckt.
Der blaugrüne Planet zählt wie Jupiter zu den „Gasplaneten“, die riesige ausgedehnte und stürmische Wolkenhüllen besitzen. Uranus ist mit 50.000 km zwar viel größer wie unsere Erde, aber nicht mal halb so groß wie Jupiter.
So bleibt er selbst im Fernrohr ein winziges Pünktchen – nur große Teleskope und die Voyager-Raumsonden haben uns Erkenntnisse über die erstaunliche Wolkenhülle dieses eisigen Planeten geliefert der 5mal weiter draußen als Jupiter seine Bahn zieht.

Fast senkrecht über uns leuchten zwei auffällig helle Sterne. Es sind die beiden nördlichen Sterne des Sommerdreiecks – Wega und Deneb. Wega ist dabei der hellere Stern. Unterhalb der beiden Sterne steht der etwas schwächere Stern Atair, der die Südspitze des Sommerdreiecks markiert.
Dieses riesige gleichschenkelige Dreieck aus Wega - Deneb und Atair - bleibt die ganze Nacht am Himmel und ist bis in  den Dezember beobachtbar.  Im September steht es um 22 Uhr optimal in der Himmelsmitte - hoch über der Südrichtung platziert.
Deneb markiert als „Alpha Cygni“ die Schwanzfedern des Sternbild Cygnus – des Schwans, der mit weit ausgebreiteten Flügeln durch die Milchstraße fliegt.  Der gedachte Schwanenhals zeigt nach Südwesten. Manchmal wird diese Figur auch als „Kreuz des Nordens“ bezeichnet. Deneb stellt dabei den Scheitelpunkt am Längsbalken des Kreuzes dar. Es ist viel größer als das in unseren Breiten nicht sichtbare „Kreuz des Südens“ - besteht aber bis auf Deneb aus eher lichtschwächeren Sternen. Dennoch - es ist eine gut erkennbare Sternenfigur im Sommerdreieck mitten in der Milchstraße die sich durch das Sommerdreieck - über Deneb hinweg, hoch über unsere Köpfe bis zu Capella im Nordosten zieht.
Allerdings - nur unter besten Sichtbedingungen, abseits störender Lichter zeigt sich dieses quer über den Himmel verlaufende Lichtband in seiner vollen Pracht.
Es lohnt sich mit dem Fernglas dort spazieren zu schauen - besonders im Schwan! Durch das Gesichtsfeld ziehen dann abertausende glitzernde Sternchen…

Tief am Westhorizont funkelt ein heller rötlicher Stern - es ist Arktur im Bärenhüter.  Er steht nur mehr etwa eine Handspanne über dem Horizont.
Drehen wir uns um, so finden wir auf der gegenüberliegenden Seite des Horizontes - im Nordosten - auf fast gleicher Höhe den hellen Stern Capella im Fuhrmann. 
Zwischen Arktur und Capella  leuchten im Norden die hellsten Sterne des „Großen Bären“ - die Sterne des  „Großen Wagens“ . Der Große Wagen strebt nun auf seine tiefste Stellung im Norden zu.

Am Südhorizont ist der Steinbock zu erkennen  - in seiner nordöstlichen Ecke dreieinhalb Grad nordöstlich des Sterns „Delta“ zieht der fernste Planet Neptun seine Bahn. Er ist noch lichtschwächer als Uranus und nur etwas für Spezialisten mit Fernrohren. 
Der Steinbock wurde ursprünglich als Wesen halb Fisch – halb Fleisch, nämlich als „Ziegenfisch“ gezeichnet, denn er markierte als Kalenderzeichen den Beginn der Regenzeit. So ist er umringt von Sternbildern, die dem „wässrigen Element“  zuzuordnen sind – der ganze Südosten wird von einer Art „himmlischen Aquarium“ ausgefüllt: Links neben Atair, über dem Steinbock die auffällige, jedoch kleine Sternfigur des Delfins und weiter östlich am Horizont die beiden ausgedehnten, aber aus lichtschwachen Sternen bestehenden Sternbilder Wassermann und  Fische – dort tummeln sich ja die Planeten Jupiter und Uranus.
Wie eine überdimensionale Vorfahrtstafel steht halbhoch im Osten ein großes Sternenquadrat – es ist das „Herbstviereck“. Drei der vier Sterne gehören zum Sternbild Pegasus während der vierte Stern, der nordöstlichste in diesem Viereck, den Hauptstern „Alpha“ im Sternbild Andromeda markiert. Pegasus stellt der griechischen Sage nach ein geflügeltes Pferd dar.

Wer bis zur Morgendämmerung ausharrt hat die Gelegenheit noch den sonnennächsten Planeten  Merkur zu sehen. Er hat in diesem Monat seinen besten Auftritt in diesem Jahr am Morgenhimmel. Etwa eine Dreiviertelstunde gelingt es bei klarer Sicht zum Osthorizont den scheuen Planeten in der Dämmerung zu sehen – am besten in der zweiten Monatshälfte.

Mehr zum aktuellen Sternenhimmel und zur Sichtbarkeit der Planeten können Sie wie immer im Planetarium Hamburg erfahren.
Klare Sicht wünscht Ihnen Ihr  Thomas Kraupe.     
Die Karte zum Download zeigt den Nachthimmel über Hamburg
Im Mittelpunkt der Karte ist der Zenit, und der Rand ist unser Horizont.
Die Position und Phase des Mondes ist im Abstand einiger Tage ebenfalls eingetragen. Drehen Sie die Karte so, dass ihre jeweilige Blickrichtung nach unten zeigt.

Diese Monatssternkarte ist auch erhältlich im Planetarium Hamburg oder kann im Internet zusammen mit dem dazu gehörenden Sternen-Podcast herunter geladen werden unter http://www.abendblatt.de/sterne