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  • Der Sternenhimmel im Juni 2018

Saturn regiert die hellen Juni-Nächte

In Norddeutschland hält von Mitte Mai bis Anfang August die „astronomische Dämmerung“ die ganze Nacht an. Nur die hellsten Gestirne können sich in den dämmrig hellen Nächten durchsetzen.

Blick nach Süden um Mitternacht, 29./30. Mai
BildBlick nach Süden um Mitternacht, 29./30. Mai

Der Sternenpodcast Juni 2018

Ihr Audioguide für die Sterne. Ob zuhause mit der Sternkarte oder unterwegs unter freiem Himmel - Planetariumsdirektor Thomas Kraupe führt Sie zu den interessantesten Sternbildern und Himmelsereignissen - jeden Monat neu und kostenlos. Hier können Sie die mp3-Audio-Datei direkt herunter laden. Dieser Podcast des Planetarium Hamburg wird Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt präsentiert - mit freundlicher Unterstützung unserer Audio-Partner Prime Time Studios und Audio Consulting Group.

Helle Nächte

So hoch und so lang steht unser Tagesgestirn zu keiner anderen Zeit am Himmel! Der glühend-heiße Sonnenball verschwindet erst spätabends im Nordwesten hinter unserer Erdkugel. Am 21. Juni um 12:07 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit erreicht die Sonne den Gipfelpunkt Ihrer Jahresreise im Tierkreis - den „Wendekreis des Krebses“. Allerdings steht sie dabei tatsächlich noch vor dem Sternenhintergrund des Stiers und wechselt wenige Stunden später in das Tierkreissternbild Zwillinge. Erst am 21. Juli wird sie in das Sternbild Krebs eintreten. Bis tief in die Nacht leuchtet der Dämmerschein, denn unsere Sonne taucht nicht tief genug unter die Horizontlinie. Selbst um Mitternacht ist sie weniger als 18 Grad unter den Nordhorizont. Während es im Süden Deutschlands längst dunkle Nacht geworden ist, hält die Dämmerung in Norddeutschland die ganze Nacht über an.

Venus und Jupiter leuchten um die Wette

Schon kurz nach Sonnenuntergang glänzen zwei helle Lichter in der Abenddämmerung. Am auffälligsten ist Venus - als strahlend heller Abendstern über dem Nordwesthorizont. Nahezu gleichzeitig wird auf der anderen Himmelsseite, im Südwesten, Jupiter sichtbar. Venus und Jupiter sind nach Sonne und Mond die hellsten Lichter an unserem Himmel. Zu Monatsbeginn steht Venus bei Sonnenuntergang noch knapp 20 Grad über dem Westnordwesthorizont - bei ausgestrecktem Arm entspricht dies etwa einer Handspanne. Aber erst rund eine halbe Stunde später wird Venus gut erkennbar - dann ist sie bereits etwas tiefer gesunken. Gegen 24 Uhr verschwindet der Abendstern - Venus geht unter. Am Abend des 16. Juni ist der Anblick besonders schön, denn die Sichel des zunehmenden Mondes ist links neben dem Abendstern platziert.

Abend für Abend rückt der Mond weiter ostwärts im Tierkreis. Am 23. Juni zieht er dann nördlich an Jupiter in der Waage vorbei. Während Venus untergeht, bleibt Jupiter noch mehr als 2 Stunden nach Mitternacht am Himmel.

Nacht des Mondes und des Saturn

In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni zieht unser Mond am Planeten Saturn vorbei. Es ist die Vollmondnacht - und die „Nacht des Ringplaneten“, denn auch Saturn gelangt in dieser Vollmondnacht in seine Gegenüberstellung zur Sonne - in „Opposition“. Saturn und der Vollmond ziehen dabei einträglich vereint die ganze Nacht über den Himmel - allerdings nur recht niedrig am Südhorizont, denn Saturn wandert im südlichsten Tierkreissternbild Schütze. Dennoch - so gut wie in diesem Monat waren die Ringe des Saturn seit Jahren nicht zu sehen, denn sie zeigen sich uns nahezu maximal weit geöffnet. Das Ringsystem spannt sich ungefähr zweieinhalb Saturndurchmesser weit um den Planeten und ist bereits mit einem kleinen Fernrohr ab etwa 30-facher Vergrößerung eindrucksvoll zu sehen. Es besteht aus Abermilliarden von Eisbrocken, die - jeder für sich - diesen „kleineren Bruder“ des Riesenplaneten Jupiter umkreisen. Immerhin ist die Saturnkugel selbst fast zehnmal so groß wie unsere Erde. Da Saturn aber rund anderthalb Milliarden Kilometer und damit fast zehnmal weiter als unsere Erde von der Sonne entfernt seine Bahn zieht, erscheint er uns deutlich lichtschwächer als der helle Jupiter. Durch sein ruhiges, gelbliches Leuchten fällt uns Saturn aber dennoch sofort auf. Zweimal begegnet der Mond dem Ringplaneten - am 1. und am 28. Juni.

Hoch über Saturn - fast senkrecht über uns - funkelt gegen 2 Uhr morgens der bläulich-weiße Fixstern Wega. Dieser hellste Stern des Sommerdreicks steht fast auf demselben „himmlischen Längengrad“ wie Saturn - und so passiert er nahezu gleichzeitig mit ihm die Südrichtung.

Mars, der kommende „Superstar“

Noch heller leuchtet Mars - östlich, d.h. „links“, von Saturn. Als auffällig rötlicher Lichtpunkt zieht er in der beginnenden Morgendämmerung die Blicke auf sich. Er gewinnt im Juni dramatisch an Helligkeit und strahlt am Monatsende sogar fast schon so hell wie Jupiter. Bis dahin kommt auch seine Bewegung ostwärts vor dem Hintergrund des Sternbildes Steinbock zum Stillstand. Mars beginnt seine rückläufige Bewegung in Richtung Saturn. Dies zeigt deutlich, dass unsere Erde immer näher an Mars herankommt - doch erst Ende Juli werden wir Mars einholen und es kommt zur großen Begegnung mit dem roten Planeten. Noch hält sich Mars zurück - Anfang Juni taucht er erst gegen 2 Uhr morgens aus dem Horizontdunst im Südosten auf - am Monatsende schon kurz nach Mitternacht. Nach 3 Uhr morgens ist die Dämmerung bereits so hell, dass die Sterne verblassen. Gerade wenn der Planet Mars seine - wenn auch bescheidene - Maximalhöhe über der Südrichtung erreicht, verblasst auch er im Licht des Tages. Erst im kommenden Monat wird es ihm gelingen, Saturn als den Beherrscher der ganzen Nacht ablösen.

Ein Artikel von Thomas W. Kraupe