Bestaunen Sie den Sternenhimmel über Hamburg im März 2017.

Der rasche Abschied vom Abendstern:Der Sternenhimmel im März 2017

von Thomas W. Kraupe, Astronom & Direktor des Planetarium Hamburg

Am 20. März wechselt unsere Sonne auf die Nordhalbkugel des Himmels: Sie passiert um 11:29 Uhr Mitteleuropäischer Zeit im sogenannten Frühlingspunkt die Ebene des Erdäquators nordwärts. Nach dieser Tag- und Nachtgleiche sind die Nächte kürzer als die Zeit des hellen Tageslichts.

Der Sternenpodcast März 2017

Ihr Audioguide für die Sterne. Ob zuhause mit der Sternkarte oder unterwegs unter freiem Himmel - Planetariumsdirektor Thomas Kraupe führt Sie zu den interessantesten Sternbildern und Himmelsereignissen - jeden Monat neu und kostenlos. Hier können Sie die mp3-Audio-Datei direkt herunter laden. Dieser Podcast des Planetarium Hamburg wird Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt präsentiert - mit freundlicher Unterstützung unserer Audio-Partner Prime Time Studios und Audio Consulting Group.

Aus Abendstern wird Morgenstern

Es lohnt sich, bereits am frühen Abend in die Sterne zu schauen, denn der Abendhimmel bietet im März ein besonderes Schauspiel: Das "Showdown" des Abendsterns Venus. Die strahlend helle Venus verlässt auf die wohl spektakulärste Weise überhaupt die abendliche Himmelsbühne, eilt auf die Sonne zu und wechselt Ende des Monats zum Morgenhimmel.

Wer Venus sehen will, der muss am frühen Abend die Augen in den Himmel richten. Während sie zu Beginn des Monats noch fast 30 Grad hoch über der Westrichtung als strahlend helles Gestirn in der Abenddämmerung leuchtet, nimmt der Sichtbarkeitszeitraum und ihre Höhe im Laufe des März rasant ab. Bleibt Venus zunächst fast dreieinhalb Stunden nach Sonnenuntergang am Himmel, so schrumpft diese Zeitspanne bis 20. März auf eine Stunde. Bei Sonnenuntergang steht sie in Norddeutschland dann nur noch etwa 11 Grad über dem Horizont.

Der Hamburger Abendhimmel im März 2017
BildDer Hamburger Abendhimmel im März 2017

Dieser dramatische "Absturz" der Venus im Laufe weniger Tage ist schon sehr auffällig und nur alle acht Jahre so deutlich, denn er ereignet sich im aufsteigenden Teil des Tierkreises: Venus, die zunächst als Abendstern der Sonne im Tierkreis ins Sternbild Fische vorausgeeilt war, steht viel nördlicher als die Sonne, bewegt sich nun der Sonne wieder entgegen und verliert so rasant Höhe und Winkelabstand zu der ihr entgegenstrebenden Sonne. Tatsächlich überholt Venus als innerer Planet auf ihrer schnelleren Umlaufbahn dabei unsere Erde und befindet sich zwischen Sonne und Erde. Allerdings tritt sie nicht vor die Sonne, sondern zieht am 25. März acht Grad nördlich an ihr vorbei. Versierten Beobachtern sollte es gelingen, Venus dann für wenige Minuten sowohl als „Abendstern“ – als auch als „Morgenstern“ zu sehen. Solch besondere Sichtbedingungen sind für Beobachter auf der Nordhalbkugel der Erde nur alle acht Jahre gegeben.

Vom „Abendstern“ heißt es jedenfalls Abschied zu nehmen – im April können wir Venus aber dann endgültig als „Morgenstern“ begrüßen. Aber noch ist es nicht so weit und wir sollten Venus in der Abenddämmerung genießen - zu Monatsbeginn sogar in Begleitung des Mondes. Die schmale Sichelgestalt des zunehmenden Mondes zeigt sich am 1. März gleich links von Venus, praktisch auf gleicher Höhe.

Mars

Sobald es gegen 19 Uhr dunkel genug geworden ist, erkennen wir auch den Planeten Mars - als rötlich schimmernden Lichtpunkt erster Größenklasse - knapp über dem Mond.  Der Planet Mars bleibt nach wie vor am frühen Abend sichtbar. Da er von den Fischen zügig in das nächste und bei uns höhergelegene Tierkreissternbild Widder zieht, hält er seinen Vorsprung vor der Sonne, und seine Untergangszeit bleibt ziemlich konstant bei 22 Uhr, bzw. 23 Uhr, da die Uhren am letzten Sonntag im März bereits wegen Sommerzeit eine Stunde vorgestellt werden.

Der rötliche Planet bildete lange Zeit mit der viel helleren Venus ein schönes Paar am Abendhimmel. In den letzten Monatstagen versucht dies der Planet Merkur auszugleichen, denn nach dem Niedergang der Venus legt Merkur gleich rechts unterhalb von Mars seinen besten Auftritt am Abendhimmel in diesem Jahr hin!

Gute Sichtbarkeit des Merkur

Bis zum Monatsende erreicht der sonnennächste Planet schon fast seinen größten Winkelabstand zur Sonne. 19 Grad Abstand sind zwar bescheiden, bedeuten jedoch im aufsteigenden Teil des Tierkreises eine ganze Menge, denn Merkur steht damit rund 10 Grad nördlicher als unsere Sonne. So kann er in den letzten Monatstagen rund eine Dreiviertelstunde lang ab etwa 19 Uhr in der Abenddämmerung über dem Westhorizont gefunden werden. Dies ist die beste abendliche Merkursichtbarkeit des Jahres 2017!

Die Sterne des Winters verabschieden sich

Bereits am Abend sind die Himmelszeichen für den Frühling unübersehbar - durch den dafür typischen Höhenflug des Großen Wagens: Seine 7 Sterne steigen bis Mitternacht hoch über unseren Köpfen hinauf in den Zenit.

Kurz nach Mitternacht erreichen Sie Ihre Gipfelstellung, senkrecht über uns. Deutlich sind auch im Westen die Zeichen, dass der Winter zu Ende geht – die hellen Sterne des Winters sind nur noch in der ersten Nachthälfte gut sichtbar. Der Himmelsjäger Orion, das zentrale Sternbild des Winters, wandert bereits am frühen Abend durch die Himmelsmitte und rückt spätabends zum Westhorizont. Eine Armada aus funkelnden, hellen Gestirnen zieht sich dann in einem halbhohen Bogen von Südwesten nach Nordwesten. Am höchsten über der Westrichtung zeigen sich die beiden Zwillingssterne Castor und Pollux. Die markanten Gürtelsterne des Orions stehen am späten Abend auf gleicher Höhe, parallel zum Horizont im Westen. Folgen wir Ihnen als Wegweiser waagerecht nach links, nach Südwesten, so stoßen wir auf Sirius, den hellsten Stern an unserem Nachthimmel. Umgekehrt gelangen wir von Sirius über den Gürtel des Orions nach rechts zu Aldebaran im Stier und schließlich zum Siebengestirn im Nordwesten – alle auf gleicher Höhe stehend. Diese Juwelen des Winters, die rund um das Band der Milchstraße angeordnet sind, streben dem Horizont entgegen und werden zu Beginn der zweiten Nachthälfte untergehen.

Regulus im Löwen

Die Südrichtung wird nun mehr und mehr von eher sternarmen Regionen eingenommen, da wir zunehmend steiler aus unserem abgeflachten Milchstraßensystem hinaus in die Tiefen des Alls schauen. Einigermaßen auffällig erscheint uns noch die trapezförmige Sternanordnung des Löwen. Der Löwe ist neben der Jungfrau und dem Großem Bären das wohl wichtigste Sternbild, das wir uns am Frühlingshimmel einprägen sollten. Den Kopf und die Mähne des Königs der Tiere finden wir in Form eines „gespiegelten Fragezeichens“, einer sichelförmigen Sternengruppe, die sich vom hellsten Stern Regulus aus erhebt.

Der Eigenname „Regulus“ den der bläulich funkelnde „Alpha Leonis“ trägt, bedeutet so viel wie „Kleiner König“. Er wird auch Cor Leonis genannt – Herz des Löwen. Regulus steht am westlichen, rechten Ende der Basis eines Sternentrapezes, das den Körper des Löwen markieren soll. Am östlichen Ende des Trapezes leuchtet Beta Leonis, der zweithellste Stern des Löwen. Sein Eigenname „Denebola“ bedeutet so viel wie „Schwänzchen“ des Löwen. Er ist mit 36 Lichtjahren nur etwa halb so weit entfernt wie Regulus und hat „nur“ die 22-fache Sonnenleuchtkraft – während Regulus 300mal leuchtkräftiger als unser Stern „Sonne“ ist. Regulus ist 77 Lichtjahre von uns entfernt. Das bedeutet, wir sehen Licht das er vor 77 Jahren von seiner heißen Oberfläche abgestrahlt hat. Regulus galt schon den Babyloniern als einer der wichtigsten „Königssterne“, denn dieser Stern liegt fast genau in der Ebene der Erdbahn um die Sonne, nahe der auch alle anderen Planeten und unser Mond ihre Kreise ziehen. Regelmäßig ziehen diese Wandergestirne an Regulus knapp vorbei. In der Nacht vom 10. auf den 11. wandert unser Mond in diesem Monat an Regulus knapp südlich vorbei und erreicht am 12. März nahe der Grenze zum nächsten Tierkreissternbild Jungfrau seine Vollmondstellung. Die ganze Nacht steht der Vollmond zusammen mit dem Löwen am Himmel.

Der Große Wagen

Genau parallel zur Basis des Löwentrapezes steigt hoch über unseren Köpfen der Kasten des Großen Wagens Richtung Zenit. Die Figur „Großer Wagen“ ist tatsächlich kein eigenes Sternbild , sondern es sind nur die hellsten Sterne des viel ausgedehnteren Sternbildes „Großer Bär“.

Verlängern wir den Bogen der Wagendeichsel, so führt er uns zu dem hellen, rötlichen Stern Arktur im Bärenhüter (lateinisch: „Bootes“). Der Sage nach treibt er den „Großen Bären“ vor sich her. Ziehen wir den Deichselbogen über Arktur hinaus noch weiter nach Südosten, so treffen wir auf die Sterne der Jungfrau. Sie folgt dem Löwen im Tierkreis.

Jupiter nähert sich seiner Oppositionsstellung zur Sonne

Im Sternbild Jungfrau leuchtet ein Gestirn, das alle anderen an Helligkeit übertrifft. Dieses ruhig leuchtende Gestirn ist keine selbst leuchtende Sonne – kein Fixstern – sondern ein „Wandergestirn“, ein Planet wie Venus, Mars und unsere Erde. Es ist der Riesenplanet Jupiter, der nun bis zum Monatsende auch die erste Nachthälfte erobert. Er nähert sich seiner „Oppositionsstellung“ zur Sonne, die er aber erst Anfang April erreichen wird.

Jupiter leuchtet knapp nördlich von Spica, dem Hauptstern der Jungfrau. Am 14. März, zwei Tage nach Vollmond, erreicht der noch immer rundliche Mond das Paar aus Jupiter und Spica und zieht knapp zwei Grad nördlich an Jupiter vorbei.
Nach Mitternacht sind die Wintersterne rund um Sirius und Orion verschwunden, während Arktur im Osten und Spica im Südosten Stunde um Stunde höher steigen. Am Morgenhimmel tauchen dann im Osten bereits die Sterne des Sommers auf: das Sommerdreieck und im Süden der Skorpion.

Die ganze zweite Nachthälfte bleibt der helle Jupiter am Himmel. Während die Erddrehung ihn nach Westen trägt, taucht im Südosten sein „kleiner Bruder“ auf, der Ringplanet Saturn. Er hält sich im südlichsten Tierkreissternbild Schütze auf und wird der Planet des Sommers

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